Der Januar am Bienenstand
Winterlicher Bienenstand in Bochum – Praxis am Volk im Januar

Januar am Bienenstand: Manchmal ist weniger tatsächlich mehr. Während draußen Frost, Regen und graues Winterwetter wechseln, sitzen unsere Bienenvölker weitgehend in ihrer Wintertraube. Für den Imker bedeutet das vor allem: beobachten, kontrollieren und nur dann eingreifen, wenn es wirklich notwendig ist.

Mit unserer Reihe „Praxis am Volk“ möchten wir durch das Bienenjahr begleiten – praktisch, verständlich und ohne aus der Imkerei eine Wissenschaft für sich zu machen. Dabei orientieren wir uns auch an der praxisnahen Arbeitsweise, wie sie Dr. Gerhard Liebig über viele Jahre vermittelt hat und wie sie von Dr. Pia Aumeier und im Umfeld der Ruhrstadt-Imker weitergetragen wurde.

Praxis am Volk – Januar
Einmal in Ruhe um den Bienenstand gehen, Fluglöcher und Mäusegitter kontrollieren, nach dem Rechten sehen und anschließend wieder nach Hause fahren – manchmal ist das im Januar bereits genau die richtige Arbeit.

Ruhe ist jetzt die wichtigste Arbeit am Bienenvolk

Im Januar befinden sich die Bienenvölker mitten im Winter. Je nach Wetterlage sitzen die Bienen mehr oder weniger eng in ihrer Wintertraube. Im Inneren herrscht keineswegs völlige Ruhe, aber für uns Imker besteht normalerweise kein Grund, die Beuten zu öffnen.

Waben ziehen, nach der Königin suchen oder eine komplette Durchsicht durchführen gehört jetzt nicht zum normalen Arbeitsprogramm. Jeder unnötige Eingriff stört das Volk und kann zusätzlichen Energieverbrauch verursachen.

Die erste Regel für den Januar lautet deshalb: Beobachten, ohne zu stören.

Ein Kontrollgang um den Bienenstand

Ganz untätig müssen wir trotzdem nicht sein. Gerade nach einem Sturm, starkem Schneefall oder längeren Regenperioden lohnt sich ein kurzer Besuch am Bienenstand.

Einmal langsam um die Beuten gehen und kontrollieren:

  • Stehen alle Beuten noch gerade und sicher?
  • Sitzen die Deckel richtig?
  • Hat der Wind etwas verschoben?
  • Sind Äste heruntergefallen?
  • Sind die Fluglöcher frei?
  • Sitzen die Mäusegitter noch fest?
  • Kann Regen- und Schmelzwasser ablaufen?
  • Gibt es ungewöhnliche Spuren oder Beschädigungen an einer Beute?

Mehr muss es häufig gar nicht sein.

Auch Aufräumen gehört zur Imkerei

Der Januar eignet sich außerdem gut, um rund um den Bienenstand etwas Ordnung zu schaffen.

Abgebrochene Äste können entfernt, herumliegende Gegenstände weggeräumt und Wege zum Stand freigehalten werden. Brombeeren oder anderes Gestrüpp, das unmittelbar vor die Fluglöcher gewachsen ist, kann vorsichtig zurückgeschnitten werden.

Dabei gilt auch hier: Möglichst nicht an den Beuten rütteln oder unnötig direkt vor den Fluglöchern arbeiten.

Unser Januartipp:
Es muss nicht jeden Monat etwas am Bienenvolk „gemacht“ werden. Ein sauberer, sicherer Bienenstand und ein kurzer Kontrollgang sind im Winter oft wertvoller als jeder unnötige Eingriff.

Flugloch und Mäusegitter kontrollieren

Einer der wichtigsten Punkte beim winterlichen Kontrollgang ist das Flugloch.

Tote Bienen, Laub, Schnee oder andere Rückstände können sich vor oder hinter dem Mäusegitter sammeln. Das Flugloch sollte deshalb ausreichend frei bleiben.

Gleichzeitig kontrollieren wir das Mäusegitter. Gerade in der kalten Jahreszeit suchen Mäuse trockene und geschützte Plätze. Eine Bienenbeute mit Waben, Pollen und Honig kann ausgesprochen interessant sein.

Das Mäusegitter muss deshalb fest sitzen und darf keine größeren Zugänge offenlassen.

Auffällig viele Wachskrümel, angenagtes Material oder andere ungewöhnliche Spuren können Hinweise darauf geben, dass sich ein unerwünschter Besucher an der Beute zu schaffen gemacht hat.

Was uns die Bodeneinlage verrät

Wer Beuten mit offenem Gitterboden und Bodenschieber verwendet, kann im Winter einiges über das Volk erfahren, ohne eine einzige Wabe zu ziehen.

Auf der Bodeneinlage finden wir beispielsweise Wachskrümel. Ihre Lage kann einen Hinweis darauf geben, wo die Wintertraube sitzt und in welchem Bereich die Bienen gerade Futter öffnen.

Gleichzeitig lässt sich auf der Einlage der natürliche Fall von Varroamilben beobachten.

Und genau dieser Punkt kann im Januar besonders interessant werden.

Varroa im Januar: Jetzt zählt die Erfolgskontrolle

Die eigentliche Winterbehandlung gegen die Varroamilbe sollte normalerweise bereits im November oder Dezember in einer möglichst brutfreien Phase erfolgt sein.

Im Januar geht es deshalb nicht darum, routinemäßig noch einmal zu behandeln, sondern darum, den Erfolg der Winterbehandlung zu kontrollieren.

Dabei ist nicht allein entscheidend, wie viele Milben unmittelbar während oder nach der Behandlung gefallen sind. Interessant ist vor allem, wie hoch der natürliche Milbenfall nach Ende der Nachwirkzeit noch ist.

Als Orientierung nennt die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau nach erfolgreicher Winterbehandlung einen natürlichen Milbenfall von weniger als 0,5 Milben pro Tag.

Dafür wird die Bodeneinlage für mehrere Tage eingeschoben und anschließend ausgezählt. Aus der Zahl der gefundenen Milben und der Anzahl der Kontrolltage lässt sich ein durchschnittlicher Milbenfall pro Tag ermitteln.

Ein einzelner Tag ist dabei wenig aussagekräftig. Mehrere Tage ergeben ein deutlich brauchbareres Bild.

Wichtig bei Varroa:
Nicht nach dem Motto „viel hilft viel“ behandeln. Eine weitere Behandlung darf nur entsprechend der Zulassung und Gebrauchsinformation des jeweiligen Tierarzneimittels erfolgen. Bei Oxalsäure ist außerdem die konkrete Anwendungsmethode und deren zulässige Wiederholung zu beachten.

Wer seine Varroakontrollen und Behandlungen konsequent in einer Stockkarte dokumentiert, hat später einen großen Vorteil. Auffällige Völker lassen sich über das gesamte Bienenjahr wesentlich leichter erkennen.

Futtervorräte: Im Januar nicht vergessen

Ein Volk kann auch im Winter verhungern. Deshalb behalten wir den Futtervorrat weiterhin im Hinterkopf.

Dafür muss die Beute nicht geöffnet werden. Wer seine Beuten kennt und vielleicht sogar Gewichte dokumentiert, kann durch vorsichtiges Anheben beziehungsweise Wiegen feststellen, ob ein Volk auffällig leicht geworden ist.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen längere milde Wetterperioden. Sobald die Aktivität im Volk zunimmt und wieder mehr Brut gepflegt wird, steigt auch der Futterverbrauch.

Eine Notfütterung gehört allerdings nicht zur normalen Januar-Routine. Sie ist eine Notmaßnahme für ein tatsächlich gefährdetes Volk.

Wespen im Januar: normalerweise kein Handlungsbedarf

Die Wespenvölker des vergangenen Sommers existieren im Januar normalerweise nicht mehr. Bei unseren sozialen Wespenarten überwintern im Wesentlichen begattete Jungköniginnen an geschützten Orten.

Für den Bienenstand bedeutet das: Eine besondere Wespenkontrolle oder Bekämpfung ist im Januar normalerweise nicht erforderlich.

Auch irgendwelche vorsorglich aufgestellten Fallen bringen uns jetzt keinen Vorteil.

Stattdessen können wir die ruhige Jahreszeit nutzen, um uns Gedanken über schwächere Völker, Fluglochgrößen und den Schutz vor Räuberei im kommenden Spätsommer zu machen.

Asiatische Hornisse: Im Winter aufmerksam bleiben

Ein Thema, das für Imker auch im Ruhrgebiet zunehmend dazugehört, ist die Asiatische Hornisse (Vespa velutina).

Im Januar besteht allerdings auch hier normalerweise kein unmittelbarer Handlungsbedarf am Bienenvolk.

Die Völker der Asiatischen Hornisse sterben zum Winter hin ab. Begattete Jungköniginnen suchen geschützte, möglichst frostfreie Überwinterungsplätze. Erst bei milder Witterung beginnen sie mit der Gründung eines neuen Volkes. Das Neobiota-Portal Nordrhein-Westfalen beschreibt den Beginn der Nestgründung bei geeigneter Witterung ab Ende Februar bis in den April hinein.

Der Januar ist deshalb ein guter Zeitpunkt, um sich noch einmal mit dem Aussehen der Asiatischen Hornisse vertraut zu machen.

Typisch sind unter anderem:

  • ein überwiegend dunkler Körper,
  • ein auffällig gelb gefärbtes viertes Hinterleibssegment,
  • dunkle Beine mit deutlich gelben Füßen.

Wichtig ist die Unterscheidung von unserer heimischen Europäischen Hornisse. Nicht jede große Hornisse am Bienenstand ist automatisch Vespa velutina.

Verdächtige Sichtungen sollten möglichst fotografiert werden. In Nordrhein-Westfalen können Sichtungen mit Bildnachweis über das offizielle Neobiota-Portal gemeldet werden.

Von wahllos aufgestellten Wespen- oder Hornissenfallen halten wir nichts. Sie unterscheiden nicht zuverlässig zwischen der Asiatischen Hornisse und unseren heimischen Insekten.

Ein warmer Januartag ist noch kein Frühling

Auch im Ruhrgebiet erleben wir im Winter immer wieder erstaunlich milde Tage. Plötzlich herrscht vor den Fluglöchern reger Betrieb und man könnte meinen, der Frühling stehe vor der Tür.

Die Bienen nutzen solche Tage unter anderem für Reinigungsflüge.

Für uns Imker ist das interessant zu beobachten – aber kein Grund, sofort die Beuten zu öffnen.

Ein sonniger Nachmittag im Januar macht aus dem Winter noch keinen Frühling.

Winterzeit ist Werkstattzeit

Während draußen am Volk wenig zu tun ist, gibt es in der Imkerwerkstatt genügend Möglichkeiten, sich auf die kommende Saison vorzubereiten.

  • Rähmchen kontrollieren und vorbereiten
  • Beuten und Zargen überprüfen
  • Werkzeug reinigen und ergänzen
  • Materialbestand kontrollieren
  • Wachsarbeiten erledigen
  • Stockkarten des vergangenen Jahres auswerten
  • Bestand an Mittelwänden und Rähmchen prüfen
  • Reparaturen erledigen, bevor die Saison beginnt

Gerade ein Blick in die Aufzeichnungen des vergangenen Jahres kann interessant sein:

  • Welches Volk hatte einen erhöhten Varroadruck?
  • Welche Königin überzeugte besonders?
  • Welches Volk benötigte ungewöhnlich viel Futter?
  • Wo gab es Probleme mit Schwarmtrieb?
  • Welche Beute oder welches Material muss ersetzt werden?

Jetzt haben wir noch Zeit, diese Dinge in Ruhe zu erledigen.

Praxis am Volk heißt manchmal: einfach nichts tun

Gerade für neue Imker ist das zunächst ungewohnt. Man hat Bienenvölker, interessiert sich für ihre Entwicklung und möchte natürlich möglichst oft wissen, was im Inneren passiert.

Doch gute Imkerei zeigt sich nicht daran, wie häufig eine Beute geöffnet wird.

Viel wichtiger ist es zu lernen, wann ein Eingriff notwendig ist – und wann nicht.

Genau diese Form der einfachen, nachvollziehbaren und am tatsächlichen Zustand des Volkes orientierten Imkerei möchten wir mit unserer Serie „Praxis am Volk“ wieder stärker in den Mittelpunkt stellen.

Dabei greifen wir immer wieder Gedanken und Erfahrungen auf, wie sie von Dr. Gerhard Liebig und Dr. Pia Aumeier über viele Jahre vermittelt wurden und auch die praktische Arbeit rund um die Ruhrstadt-Imkerei geprägt haben.

Im Januar lautet unsere wichtigste Aufgabe deshalb: Hinschauen. Auffälligkeiten erkennen. Und die Bienen ansonsten einfach Bienen sein lassen.

Fragen zu Bienen, Honig oder unserer Imkerei in Bochum?

Sie interessieren sich für unsere Bienenvölker, regionale Imkerei oder echten Honig aus Bochum? Dann sprechen Sie uns an. Wir beantworten Ihre Fragen gerne.

Kontakt aufnehmen

Hinweis:
Arbeiten am Bienenvolk richten sich immer nach Witterung, Standort, Volksentwicklung und der jeweiligen Betriebsweise. Angaben zur Varroabehandlung ersetzen nicht die Gebrauchsinformation des eingesetzten zugelassenen Tierarzneimittels oder aktuelle Empfehlungen der zuständigen Bieneninstitute und Behörden.

„Praxis am Volk“ ist unsere fortlaufende Artikelserie über die Arbeiten am Bienenvolk im Jahresverlauf – praxisnah, verständlich und ohne unnötige Eingriffe. Von der Winterruhe über Schwarmzeit und Honigernte bis zur Varroakontrolle begleiten wir unsere Bienenvölker durch das gesamte Jahr.

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